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Text 1 – Soziale Benachteiligung als Risikofaktor für jugendliches Problemverhalten

Der soziale Kontext, in dem junge Menschen leben, wirkt sich über eine Reihe von Mechanismen auf ihre soziale Entwicklung und ihre Beteiligung an antisozialem Verhalten aus. Strukturelle Benachteiligung (z. B. Armutsniveau in der Nachbarschaft) wurde durchgängig mit einem höheren Maß an antisozialem Verhalten, insbesondere schwerer Kriminalität, in Verbindung gebracht, wobei die Forschung darauf hinweist, dass dieses Muster auf ein geringeres Maß an informeller sozialer Kontrolle und ein höheres Maß an Stress bei den Bewohnern benachteiligter Gemeinschaften zurückzuführen ist. Kinder, die in verarmten Gemeinden aufwachsen, sind wahrscheinlich schwachen sozialen Einrichtungen (z. B. unterfinanzierten Schulen) und suboptimalen Erziehungspraktiken (z. B. mehr unbeaufsichtigte soziale Kontakte mit Gleichaltrigen) ausgesetzt und sind häufiger kriminogenen Belastungen (z. B. Gewalt in der Gemeinde) ausgesetzt. Bei der Betrachtung des Einflusses von Faktoren auf Gemeindeebene auf das Verhalten von Jugendlichen muss jedoch berücksichtigt werden, dass einige Personen anfälliger für externe Einflüsse in der Gemeinde sind als andere. Die normale Entwicklung von Jugendlichen führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Risikobereitschaft, und die genetisch bedingte Anfälligkeit für antisoziales Verhalten kann durch Risikofaktoren, die in einem benachteiligten Umfeld vorherrschen, verstärkt werden. Obwohl viele antisoziale Verhaltensweisen in wirtschaftlich benachteiligten Gemeinschaften nicht häufiger vorkommen als in Gemeinschaften der Mittel- oder Oberschicht (z. B. Drogenkonsum), wurden die mit dem Aufwachsen in Armut verbundenen Schwierigkeiten mit einer höheren Beteiligung an schwerer und/oder gewalttätiger Kriminalität in Verbindung gebracht. Forscher stellten beispielsweise fest, dass ein Leben unterhalb der Armutsgrenze in den ersten fünf Lebensjahren mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit von Jugendkriminalität verbunden war. In ähnlicher Weise fand man heraus, dass Jugendliche, die in Familien mit niedrigem Sozialstatus geboren wurden, dreimal häufiger straffällig wurden als Jugendliche, die in Familien mit hohem Sozialstatus geboren wurden. Die generationenübergreifende Stabilität von Armut kann daher zum Teil für die Übertragung antisozialen Verhaltens innerhalb von Familien verantwortlich sein, da die Folgen von Armut die familiäre Stabilität und wirksame Erziehungsmethoden untergraben können. Zahlreiche Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass eine schwache emotionale Bindung zwischen Eltern und Kindern und unwirksame Erziehungsstrategien (z. B. geringe Aufsicht, strenge Disziplin) den Zusammenhang zwischen strukturellen Merkmalen der Gemeinschaft und antisozialem Verhalten vermitteln, wobei dieser Effekt bei Jungen besonders ausgeprägt zu sein scheint.

Je mehr Zeit Jugendliche in unbeaufsichtigten Interaktionen mit Gleichaltrigen verbringen, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie in ihrem Umfeld Gewalt ausgesetzt sind, und bei Jugendlichen, die in ihrem Umfeld persönlich Gewalt erfahren und/oder Zeuge von Gewalt werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie selbst antisoziales Verhalten zeigen, signifikant höher. Bestimmte Überwachungs- und Disziplinierungsstrategien der Eltern können ebenfalls durch die Bedingungen in der Nachbarschaft beeinflusst werden. In Untersuchungen wurde beispielsweise festgestellt, dass ein höheres Maß an informeller sozialer Kontrolle und gegenseitigem Vertrauen zwischen den Bewohnern (d. h. kollektive Wirksamkeit) die Zeit, die Jugendliche mit unstrukturierten sozialen Kontakten zu Gleichaltrigen verbringen, erheblich reduziert, was wiederum die Gewaltbereitschaft verringert. Andere Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Eltern, die glauben, dass es in ihrer Nachbarschaft mehr Kriminalität/Unordnung gibt, ihren Kindern wahrscheinlich mehr Regeln auferlegen. Soziale Prozesse auf Gemeindeebene hängen auch vom schulischen Umfeld der Heranwachsenden ab, das einen starken Sozialisationsfaktor darstellen kann, indem es prosoziales Verhalten verstärkt und antisoziales Verhalten bestraft. Schulen in verarmten Gemeinden sind in der Regel unterfinanziert, und ein hohes Maß an Schülerarmut geht mit problematischen organisatorischen Merkmalen einher, wie z. B. Schwierigkeiten bei der Einstellung und Bindung von qualifizierten Lehrern und Mitarbeitern. Unterfinanzierte Schulen in armen Gemeinden haben daher eher Schwierigkeiten, ein einheitliches und warmes Bildungsklima zu schaffen und das Engagement der Schüler zu fördern, was sich sowohl auf die Bindung der Schüler an die Schule als auch auf ihre schulischen Leistungen auswirken kann. Eine positive Bindung der Schüler an die Schule geht mit einem geringeren Drogenkonsum und anderen Formen der Kriminalität im Jugendalter einher, während schlechte schulische Leistungen mit einem höheren Maß an antisozialem Verhalten/Delinquenz im Laufe der Zeit verbunden sind. Wie bereits erwähnt, kann ein problematisches schulisches Umfeld bereits bestehende Risikofaktoren bei einzelnen Jugendlichen in benachteiligten Gemeinschaften verstärken. So hat sich beispielsweise gezeigt, dass schlechte schulische Leistungen und ein geringes Engagement in der Schule die Auswirkungen von Lernschwierigkeiten und antisozialem Verhalten in der Kindheit auf späteres antisoziales Verhalten im Jugendalter in erheblichem Maße vermitteln. Auch die üblichen Disziplinarmaßnahmen in der Schule können kontraproduktiv sein, da sich gezeigt hat, dass Schulverweise und Schulausschlüsse riskantes und/oder antisoziales Verhalten bei Jugendlichen in der Zukunft eher verstärken als verringern.

Lernset 7

Welche der folgenden Aussagen lässt sich aus dem Text ableiten?